Sonntag, November 18, 2012

"if" in statisch und in dynamisch typisierten Sprachen


Ein "if" realisiert eine binäre Entscheidung. Bei statisch typisierten Sprachen wird abhängig von einem Booleschen Wert im "true"-Fall entweder das eine oder im "false"-Fall das andere gemacht. Auch wenn eine dynamisch typisierte Sprache die Booleschen Werte "true" und "false" kennt, ist das Verhalten für ein "if" meist anders definiert: Für jeden beliebigen Wert außer "false" tue dieses, für den Wert "false" jenes. Manchmal heißt es sogar: Für jeden Wert außer "false" und "nil" tue dieses, sonst jenes. Wissen Sie, warum statisch und dynamisch typisierte Sprachen sich so unterschiedlich verhalten?

Statisch typisierte Sprachen nutzen die Typüberprüfung vor der Ausführung des Codes, um festzustellen, ob die "if"-Entscheidung tatsächlich binär ist. Das ist durch den Booleschen Datentypen garantiert, wenn die Typüberprüfung erfolgreich ist.

Dynamisch typisierte Sprachen überprüfen die Typen zur Laufzeit. Wenn bei einem "if" kein Boolescher Datenwert genutzt wird, könnte eine Ausnahme (Exception) geworfen werden -- dann würde ein "if" jedoch eine ternäre und keine binäre Entscheidung mehr treffen: Mache dieses im "true"-Fall, jenes im "false"-Fall und was gänzlich anderes, wenn ein sonstiger Wert vorliegt. Um das binäre Entscheidungsverhalten aufrecht zu erhalten, muss man ein, zwei Werte wie ein logisches "false" und alle anderen Werte wie logisch "true" interpretieren.

Dass "nil" oft ebenfalls als "false" zählt, hat einen Grund: Vielfach hat "nil" bei dynamisch typisierten Sprachen die Sonderfunktion, "Nichts" als Wert zurückzugeben, wenn es keine andere Lösung gibt, statt einen Fehler per Exception zu werfen. Dynamisch typisierte Sprachen halten so die Ausführung eines Programms so lange wie möglich aufrecht, ohne durch Exceptions aus dem Ausführungsfluss geworfen zu werden.

Donnerstag, November 08, 2012

Google-Director Lars Lehne in Heilbronn


Eines ist Lars Lehne, Google Director bei Google Deutschland, wirklich gelungen. Sein Vortrag hat mich mitgerissen und begeistert. Dabei war es, wenn man ehrlich ist, eine einzige Werbeveranstaltung für Google. Aber das muss man Lehne wirklich lassen: Er ist sehr gut darin, sein Unternehmen "zu verkaufen". Nett, charmant und humorvoll ist er. Und er weiß, dass man ihm zuhört -- zuhören muss.

Warum der Vortrag "Die digitale Zukunft ist bereits Realität" heißt, bleibt bis zum Schluss ein ungelöstes Rätsel. Egal. Die Einladung von Lars Lehne ist Grund genug für deutlich über 200 Gäste, am Mittwoch, 6. November 2012, den Saal der IHK Heilbronn-Franken zu füllen. Lehne, übrigens FH-Absolvent -- er hat BWL in Düsseldorf studiert --, ist seit 2009 bei Google. Er startet seinen Rechner, alle sehen über die Projektionswand seinen Desktop ... ich bin verblüfft: Ist das wirklich wahr?

Der Google Director hat doch tatsächlich ein iBook mit Mac-OS laufen. Später wird er auf Nachfrage des Moderators das Publikum aufklären, dass viele Googler einen Apple-Rechner haben, aus Sicherheitsgründen. Apple-Rechner gelten bei Google als sicherer als Windows-Rechner. Sein Smartphone ist aber kein iPhone -- das wäre ein echter Skandal gewesen ;-) Sicher ist es ein Nexus, auf die Ferne ist es nicht klar zu erkennen.

Lehne hält dankenswerter Weise keinen Powerpoint-Vortrag. Er macht einen Streifzug durch die fast 15jährige Geschichte von Google, wobei er sich weitgehend auf die Google-Suche beschränkt. Und so füllt Lehne 60 Minuten lang den Abend mit kurzen Youtube-Videos und live durchgeführten Google-Suchen. Er erzählt viele nette Anekdoten, die das Publikum begierig aufsaugt. Das alles bringt Lehne so unaufgeregt rüber, dass es die Bedeutung von Google nur unterstreicht.

Ich möchte den Vortrag von Lehne nicht zusammenfassen, sondern mit ein paar Schlaglichtern ein wenig nachzeichnen, wovon er gesprochen hat.

  • Wussten Sie, dass Google rund 35.000 Angestellte (ohne Motorola) hat? Mehr als 50% sind Ingenieure. 3.000 bis 8.000 Menschen werden pro Jahr bei Google eingestellt, bei 2 Mio. Initiativbewerbungen. (Ich hoffe, ich habe mich nicht verhört, die Zahl ist so unglaublich.) Am aussichtsreichsten ist es, wenn Sie ein Googler (ein Google-Mitarbeiter) empfiehlt.
  • Larry Page und Sergey Brin (die Gründer von Google) sind hochintelligente Schnelldenker, so Lehne -- er habe des öfteren mit ihnen Kontakt. Das Credo von Page ist: "Jedes Problem kann mit Mathematik gelöst werden." Und er leistet sich einen "Streichelzoo" (so Lehne) von 50 Ingenieuren, die tun dürfen, was immer sie wollen.
  • "Jedes Problem kann mit Mathematik gelöst werden", so zitiert Lehne Larry Page. Was ist das für ein Geek! Und nun dürfte Ihnen auch klar sein, warum man sich besser um Mathematik kümmert -- auch wenn man "nur" Informatik studiert. Ohne Mathematik keine Algorithmen für die Indizierung und Suche von Webseiten, und ohne Mathematik kein autonom fahrendes Auto. 
  • Noch so eine Frage für Neugierige: Woher kommen die bunten Farben im Google-Logo? In den Anfangstagen haben sich die Googler die Racks für Ihre Server aus Legosteinen gebaut! Die bunten Farben sind eine Erinnerung an die Lego-Zeit!
  • Google verarbeitet jeden Tag 4 Milliarden Suchanfragen, Tendenz steigend. Deutschland ist daran mit 350 Millionen Anfragen beteiligt. Große Unternehmen haben Google schon dreistellige Millionenbeträge angeboten, um auf der "weißen" Seite mit der Suchmaske Werbung zu schalten. Google lehnt das ab.
  • Google verdient sein Geld mit den Clicks auf eingeblendete Anzeigen zur Suche. Verbleiben Sie mehr als 3 Sekunden auf der angebotenen Werbeseite, dann klingelt der Geldbeutel bei Google. Die Preise für einen Click reichen von 10 Cent bis 50-70€ (z.B. bei Versicherungen oder Winterreifen, wo eine sehr hohe Abschlusswahrscheinlichkeit für ein Geschäft besteht). In Deutschland verdient Google im Schnitt 12,7 Cent an Clicks auf Links von Werbeanzeigen. Lehne stellt die einfache Rechenaufgabe: Wenn es 1 Mio. solcher Clicks gibt bei 365 Tagen im Jahr, dann kommt da einiges zusammen. (Es sind übrigens etwas mehr als 46 Mio. Euro. Wenn dieser Wert für Deutschland gilt, dann sollte der weltweite Umsatz bei 500 Mio. Euro liegen. Das liegt weit unter den 9,7 Mrd. US-Dollar Reingewinn, die Google 2011 erzielt hat.)
  • "Suchanfragen sind komplex, Maschinen sind saudoof", so Lehne. Wenn er von komplexen Suchanfragen spricht, meint er aber auch die saudoofen Anfragen, die Google verstehen muss und will. Google erkennt 860 falsche Schreibweisen des Namens "Britney Spears"! Das Schlagwort, das Lehne mehrfach erwähnt, lautet "Datenaggregation". Google muss die Suche und die tatsächlich angeklickten Seiten zusammenführen, um herauszufinden, was der Nutzer will. Wenn ein Nutzer das Wetter abfragt, dann will er in 99,99% der Fälle das Wetter an seinem Standort erfahren. Auch hier aggregiert Google Daten, um Ihnen das vermutlich gewünschte Ergebnis zu liefern.
  • "Youtube ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt." Von diesem Blickwinkel aus, sagt Lehne, war die Aquisition von Youtube für Google nur folgerichtig. Gleichzeitig sei Youtube auch ein soziales Netz
  • Lehne: "Brauchen wir ein zweites Facebook? Nein! Das wollen wir auch gar nicht sein." Für Google hat Google+ (kurz G+) eine ganz andere Bedeutung: Das soziale Miteinander, die "Freunde" und der (mit)geteilte Inhalt gehen in die Suche mit ein und sollen helfen, die Suchergebnisse zu verbessern. Google geht davon aus, dass unser soziales Treiben in G+ eine Relevanz hat bei dem, was wir suchen. So werden Inhalte aus unserem sozialen Netzwerk mit durchsucht und angezeigt. Die Logik scheint mir nachvollziehbar: Facebook hat eine Wand im Internet aufgezogen, Facebookler(innen) bleiben unter sich. Alles außerhalb dieser Wand, will Google auffindbar machen und dabei die sozialen Aspekte berücksichtigen. Übrigens: Laut Lehne wird Google niemals Werbung in G+ schalten!
  • Warum heißt Google eigentlich "Google"? Der Name kommt von "googol", was eine riesengroße Zahl bezeichnet: 1E100 (einmal Zehn hoch Hundert, sprich, eine Eins mit 100 Nullen). Eine Anspielung auf die unglaublichen Datenmengen, die Google verarbeitet. Das muss den Gründern Page und Brin schon vor rund 15 Jahren bewusst gewesen sein.
  • Für Google hat die Sprachübersetzung eine immense Bedeutung: Was, wenn die Antwort meiner Frage in einer Fremdsprache vorliegt? Google vermag Webseiten sofort zu übersetzen, fast in Echtzeit. Lehne betont es immer wieder an dem Abend: Alles werde getan, um den Endbenutzern bessere Suchergebnisse zu liefern. Eine Strategie dahin ist, den Suchraum auf fremdsprachliche Webseiten zu erweitern.
  • "Wir wollen Fragen beantworten bevor sie gestellt werden." Das hat, laut Lehne, Larry Page gesagt. Was ist damit gemeint? Herr Lehne bringt ein Beispiel: In seinem Google-Kalender ist der Rückflug eingetragen samt Flughafen und Flugnummer. Nun kann Google die Daten aggregieren und eine Frage beantworten, die noch nicht gestellt ist: Google weiß dank GPS, wo man ist, aus dem Kalender wo man wann sein möchte und wann der Flug geht (da im Netz nachgeschaut). Daraus ergeben sich Fragen wie: Wie ist die Verkehrslage, um zum Flughafen zu kommen? Wie ist die Route? Geht mein Flieger pünktlich oder hat er eine Verspätung? All das nimmt Google vorweg und erinnert den Nutzer rechtzeitig: "Pass auf, Du solltest Dich innerhalb der nächsten 15 Minuten ins Auto setzen, die Verkehrslage ist kritisch. Anbei die Route samt Umleitung, der Stau kann umfahren werden. Dein Flieger geht 10 Minuten später als geplant." Das ist die Antwort auf eine Frage, bevor der Anwender sie stellt.

Interessant, nicht wahr?! Die anschließende Podiumsdiskussion war ebenfalls sehr erhellend. Ein Beitrag von Lehne aus der Diskussion: Social Media funktioniert nicht in hierarchisch geführten Unternehmen. "Soziale Führung" verlangt und fordert Transparenz ein. -- Die junge Generation wird das einfordern, so ergänzen auch die anderen Teilnehmer der Runde, da sie nicht verstehen und einsehen werden, warum Social Media innerhalb der Mauern eines Unternehmens tabu ist. Es wird die Unternehmen und die Führungsstile verändern.