Freitag, September 28, 2007

Ur-Taschenrechner

Mögen Sie einen Blick in die Urzeit des Computerbaus werfen? Bei Spiegel-Online gibt es einen netten Beitrag dazu: "Der erste Taschenrechner wog 1,5 Kilo" (Konrad Lischka, 27. Sep. 2007). Schauen Sie sich mal die Bilder zu den alten Taschenrechnern an! Schaurig schön.

Mittwoch, September 26, 2007

Vom Zählen und vom Sehen

Mein ältester Sohn, bald sechs Jahre alt, hat die vergangenen Tage die "großen Zahlen" für sich entdeckt. Genauer gesagt, er entdeckt das Regelsystem, nach dem Folgen von Zahlen ausgesprochen werden: 3-2-0, dreihundertzwanzig; 1-4-0, einhundertvierzig. Es ist beachtlich, wie hart ein kleines Menschenkind daran üben muss -- einem Computer wäre das in Kürze beigebracht. Ein kurzes Programm würde für immer und ewig "große Zahlen" richtig in Wortfolgen übersetzen. Meinem Sohn müssen wir die Regeln wieder und wieder erklären. Es bewahrt ihn nicht vor Fehlern. Ein mühsamer Prozess, der spielerisch umgesetzt zwar Spaß macht, aber eines schön verdeutlicht: unsere Hirne sind nicht gerade für solche Regeln gemacht.

Auf der anderen Seite habe ich noch keinem meiner Kinder erklären müssen, wie die Regeln fürs Sehen funktionieren. Noch besser, ich kenne sie selber nicht. Innerhalb kürzester Zeit weisen Kinder Fähigkeiten in der Verarbeitung von Bildern auf, die wir bislang weder mit Hochleistungsrechnern noch ausgefuchsten Algorithmen nachbilden können. Die Mühelosigkeit, mit der wir uns in der Welt bewegen und mit unseren Sinnen orientieren können, ist purer Hohn für all die kläglichen Versuche, Computern menschliche Fähigkeiten angedeihen zu lassen. Geht es aber bereits um einfache Regelsysteme, stechen uns die Computer wiederum gnadenlos aus. Auf ihre Weise verstehen es Computer, uns beim Schach den Rang abzulaufen -- da findet ein spannendes Kräftemessen zwischen der Arbeitsweise von Neuronen und der von Computern statt.

Interessanterweise gibt es aber immer wieder Menschen, die ebenfalls mit solchen Regelsystem ausgezeichnet umzugehen wissen: Mathematiker oder Physiker zum Beispiel. Aber auch Musiker. Zum Teil sind es extreme Einzelbegabungen. Faszinierend daran ist, das neuronale Netze auch so etwas beherrschen können. Was ist es nur, was neuronale Netze zu solchen "formalen Leistungen" befähigt? Ich weiß es nicht.

Freitag, September 21, 2007

Computer-basierte Beratung in der Medizin


Die computer-basierte, medizinische Beratung von Patienten wird zunehmend auch in Deutschland als ein hilfreicher Baustein in der Vorsorge und Therapie entdeckt. Auf dem Bild sehen Sie ein solches Beratungssystem im Einsatz. Der Patient interagiert mit dem drucksensitiven Bildschirm des TabletPCs über einen speziellen Stift. Zum Einsatz kommt dieses System gerade in einer Studie, die in Praxen von Hausärzten durchgeführt wird.

Dieses Beratungssystem ist entwickelt worden im Rahmen einer Forschungskooperation der Hochschule Heilbronn und der Philipps-Universität Marburg. Dafür hat sich ein interdisziplinäres Team zusammengefunden aus Medizinern, Psychologen und Software Engineers. Sie dürfen raten, an welchem Teil ich beteiligt bin :-)

Die erste Fassung der Beratungssoftware ist übrigens im vergangenen Sommersemester 2007 an der Hochschule Heilbronn im Rahmen einer Veranstaltung entstanden, dem "Labor für Software Projekte". Mittlerweile ist die Software neu geschrieben und weiter entwickelt worden.

Bei der aktuellen Untersuchung, die die Marburger Mediziner und Psychologen derzeit mit dem Beratungssystem durchführen, geht es um eine Akzeptanzstudie. Untersucht werden chronisch erkrankte Patienten; im konkreten Fall Patienten mit diabetes mellitus (im Volksmund "Zuckerkrankheit") und/oder einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Da körperliche Aktivierung ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei diesen Erkrankungen ist, versucht das Beratungssystem den Patienten eine angepasste Beratung zum Thema geben. Welche Bedeutung hat körperliche Aktivität? Wie lässt sich mehr körperliche Aktivität im Alltag einbinden? Bevor das Beratungssystem darauf eingeht, ermittelt es durch Fragen die Motivationsstufe des Patienten bzw. der Patientin (Grundlage ist das Transtheoretische Modell, TTM) und leitet dann über in eine stufenspezifische Beratung.

Wir haben das System diese Woche (Ende September 2007) auf dem 8. Kongress für Gesundheitspsychologie und dem 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vorgestellt und positives Feedback erhalten. Eine weitere Vorstellung wird es im November auf der USAB 2007 (Usability & HCI for Medicine and Health Care) geben.

Wenn Sie Interesse an einer Beteiligung, Mitarbeit oder Kooperation als Mediziner, Psychologe oder Informatiker haben, ich würde mich freuen, wenn Sie sich bei mir melden.

Für die Software-Techniker unter Ihnen: Über die software-technische Aspekte werde ich in einem späteren Blogeintrag berichten.